Feiertage als Sündenbock einer schwachen Wirtschaft

von Dietmar Sommer

In der vergangenen Zeit forderten führende Vertreter der deutschen Wirtschaft erneut, kirchliche Feiertage abzuschaffen, um die Produktivität zu steigern. Angesichts einer schwächelnden Wirtschaft und einer lahmenden Konjunktur werden solche Forderungen regelmäßig laut. Mehr Arbeitszeit soll offenbar die Lösung sein. Doch stellt sich die berechtigte Frage: Können ein oder zwei gestrichene Feiertage die wirtschaftlichen Probleme wirklich lösen?

Als mögliche Streichkandidaten werden dabei immer wieder der Ostermontag, der Pfingstmontag sowie der zweite Weihnachtstag genannt. Betrachtet man jedoch insbesondere die Weihnachtszeit, wirkt diese Argumentation wenig überzeugend. Viele Beschäftigte haben in der Zeit vom 23. Dezember bis zum 2. Januar ohnehin Urlaub oder der Betrieb ruht weitgehend. Ob der zweite Weihnachtstag in dieser Phase tatsächlich einen relevanten Produktivitätsschub bringen würde, darf zumindest bezweifelt werden.

Statt strukturelle Probleme anzugehen – von Investitionsstau über Bürokratie bis hin zu Fachkräftemangel – wird an den freien Tagen der Beschäftigten herumgeschraubt. Feiertage werden so zum politischen Spielball, während die eigentlichen Herausforderungen unangetastet bleiben. Arbeitnehmende sollen den Preis für Managementfehler, politische Versäumnisse und globale Krisen zahlen – mit weniger Erholung und mehr Belastung.

Nun wird die Debatte allerdings von politischer Seite neu aufgerollt. Die Linke und die Grünen drehen den Spieß um und fordern nicht die Abschaffung, sondern das Nachholen von Feiertagen, die auf ein Wochenende fallen. Ziel ist es, Beschäftigten eine verlässliche Erholungszeit zu sichern und die Bedeutung von Feiertagen für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Gesundheit zu betonen.

Die Frage bleibt jedoch: Warum kann man nicht einfach alles so belassen, wie es ist? Stattdessen wird eine Grundsatzdiskussion entfacht, die vor allem eines bewirkt – sie hält alle Beteiligten im Gespräch. Für viele Menschen bedeutet dies vor allem Verunsicherung. Am Ende droht eine Debatte, die der um die Sommerzeit ähnelt: Die einen wollen es so, die anderen anders. Und letztlich bleibt vermutlich alles beim Alten.