Das McDonald’s-Syndrom: Wenn Hype wichtiger ist als Inhalt
von Dietmar Sommer
Eine Fernsehwerbung kündigt vollmundig den neuen „McSpicy“ an: so scharf, dass Tränen fließen sollen – angeblich, weil sie nicht lügen. Also, nach Jahren ohne McDonald folgt der Besuch im vermeintlichen Gourmettempel der Schnellgastronomie. Doch die Ernüchterung ist groß: Die beworbene Aktion ist längst vorbei. Stattdessen gibt es Nuggets, Big Tasty, Pommes und Getränke – für über 25 Euro.
Was bleibt, ist Enttäuschung. Labbrige Pommes, geschmacklich belanglose Nuggets und Burger, die weder satt noch glücklich machen. Qualität und Preis stehen in keinem Verhältnis. Jede durchschnittliche Pommesbude kann es besser – und günstiger.
Zu Hause stellt sich die grundlegende Frage: Warum funktioniert dieser Hype überhaupt? Warum leuchten Kinderaugen, wenn McDonald’s angekündigt wird? Warum greifen so viele Menschen immer wieder zu einem Produkt, das objektiv kaum überzeugt? Eine klare Antwort gibt es nicht. Vielleicht ist es Gewohnheit, vielleicht Marketing – oder doch ein tieferliegendes gesellschaftliches Problem.
Diese Frage lässt sich über das Essen hinaus weiterdenken. Warum verfangen auch in der Politik einfache Parolen, leere Versprechen und offensichtliche Provokationen? Warum gewinnen rechte Parteien wie die AfD so viele Stimmen – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit? Warum fallen Menschen auf Aussagen herein, die spalten, Hass säen und oft genug auf Lügen basieren?
Vielleicht erleben wir hier dasselbe Muster wie bei McDonald’s: viel Werbung, starke Reize, einfache Botschaften – und wenig Substanz. Ein politisches und gesellschaftliches „McDonald’s-Syndrom“, bei dem Lautstärke und Wiederholung wichtiger sind als Qualität, Inhalte oder langfristige Folgen.
Eine endgültige Antwort bleibt offen. Doch die Parallele ist beunruhigend – und sie regt dazu an, genauer hinzuschauen, bevor man konsumiert, glaubt oder wählt.